13. Juni 2015 - Exkursion zur Karlsschanze

Hubertus Hagemeier erläutert der Gruppe die Grundzüge der Anlage am Faulen Jäger
Hubertus Hagemeier erläutert der Gruppe die Grundzüge der Anlage am Faulen Jäger

Bei gutem Wanderwetter traf sich die Gruppe der Geschichts-interessierten, Freunde sowie Wanderer zur Exkursion auf die Karlsschanze am Haus des Gastes. Ganz besonders begrüßen konnten wir Gäste aus Altenbeken, Kleinenberg, Neuenheerse und Dringenberg.

Von der Krollhütte am Gedenkkreuz für die Förster Gies und Steinsträter, dessen einmalige Geschichte und Hintergründe uns Hans Dieter Hibbeln kurz umreißen konnte, ging es nach einer kurzen Einleitung vom Exkursionsführer Hubertus Hagemeier zur ersten Station der Wanderung, den Faulen Jäger. Hagemeier, der sich seit Jahren bereits mit der Thematik der Burgen- und Wallanlagen im Eggeraum beschäftigt, erläuterte die Verbindungen zwischen mythischen Legenden und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen des Findlings. Möglichweise, so Hagemeier, handelt es sich hierbei um einen kultischen Ort, der wegen seiner Lage durchaus von den Germanen als Ort für rituelle Handlungen benutzt worden sein kann. Gleiches gilt für den Opferstein oberhalb der so genannten Drudenhöhle in unmittelbarer Nähe. Auch hier deutet sich eine Nutzung als kultische Plätze an.

Die Gruppe auf dem Opferstein
Die Gruppe auf dem Opferstein

Eine etwaige Nutzung der Drudenhöhle, die selbst weniger eine Höhle als vielmehr lediglich ein Felsvorsprung unterhalb des Opfersteins ist, datierte Hagemeier ebenso wie die Gesamtanlage der Karls-schanze auf einen groben Zeitraum von der Eisenzeit (ca. 1000 v. Chr.) bis möglich-erweise auch ins Hochmittelalter hinein (um 1250).

Dabei handelte es sich bei der Karlsschanze, so benannt durch Ferdinand von Fürstenberg (1626-1683), ehemals im Volksmund Behmburg genannt, nie um eine repräsentative Anlage. Die Behmburg diente stets als Fluchtburg. Auffällig dabei, es sind bis heute keinerlei Toranlagen zu erkennen.

Die gesamte Anlage wird von drei Wällen umschlossen, deren erster außen gelegen die beiden folgenden, die als Doppelwall angelegt worden waren, weiträumig umfaßt. Heute sind kaum mehr die tatsächlichen Ausmaße der Wälle zu sehen, doch Hagemeier konnte ausführen, daß man die Höhe der Wälle, einschließlich der auf den Wällen befindlich gewesenen Mauern oder Palisaden mit etwa 5-7 Metern annehmen dürfe.

Weiterhin konnte er feststellen, daß es bislang nur einen bekannten steinzeitlichen Scherbenfund auf der Behmburg gegeben habe. Das sei allerdings auch wenig verwunderlich, denn die Karlsschanze sei bei weitem nicht in der Form wissenschaftlich untersucht wie er sich das wünsche. Vielmehr sei noch vieles offen und es gäbe noch unzählige Fragen, denen man nachgehen könne.

An den Doppelwällen
An den Doppelwällen

Die einzige bekannte Quelle innerhalb der Kernanlage habe sich im Nordwesten befunden. Ebenso sei in ihrer Nähe das Fundament eines Hauses, vermutlich aus Stein mit Fachwerkaufbau lokalisiert worden. Da aber das Anwesen zu keiner Zeit als Dauersiedlung genutzt worden war, dürften bis heute Spuren recht wage zu finden und aufzuspüren sein. Dennoch sei aber eine historische Nutzung besonders während der bekannten "unruhigen Zeiten" anzunehmen: Sachsenkriege bis 804, Stellinga-Aufstand um 843, Aufstand der Konradiner 885-939 oder auch der Sachsenaufstand 1073-1075 unter Otto von Northeim.

Die geführte Exkursion endete am Kleinen Herrgott, dessen Bezeichnung Hagemeier in den Bezug zu einem "großen Herrgott", womöglich den bereits erwanderten Faulen Jäger stellte. Die Wegkreuzung am Kleinen Herrgott stellte zudem die besondere Lage der Karlsschanze als dominierende Spornlage an der Kreuzung zweier Fernwege heraus: der heute so genannte Eggeweg als Höhenweg in der Nord-Süd-Achse und die Paßstraße in West-Ost-Richtung, die die alte Eggequerung darstellt bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein.

Prof. Wichert gibt eine erste Einführung zur Geschichte der Alten Eisenbahn
Prof. Wichert gibt eine erste Einführung zur Geschichte der Alten Eisenbahn

Nach einer kurzen Stärkung ging anschließend Hans Walter Wichert, Vorsitzender des Altenbekener Heimat- und Geschichtsvereins und ausge-wiesener Kenner der Eisen-bahngeschichte des 19. Jahrhunderts zu einer ersten Schilderung der Bedingungen des Eisenbahnbaus um 1850 über. Dabei stellt er heraus, wie vielschichtig und komplex die Erfordernisse der damaligen Zeit an Ingenieure und Arbeiter waren, die sich ab 1846 im oberen Hellebachtal mit dem Bau der Eisenbahntrasse und eines Tunnels zu beschäftigen hatten. Aber nicht nur geologische Widrigkeiten waren zu meistern, auch finanzielle Engpässe mußten immer wieder gemeistert werden, was in den ersten Jahren auch gelang. Als aber das Revolutionsjahr 1848 zu einer streng restriktiven Politik der Banken und Geldgeber führte, war das Ende des Tunnelbaus an der Egge oberhalb Willebadessens gekommen.

Im weiteren verlauf der Exkursion führte Wichert die Gruppe an den Osteinschnitt des ehemaligen Tunnelbaus sowie zu einem der drei verschütteten Grabungsschächte, die zwischen den beiden Erdeinschnitten in dem Boden abgesenkt worden waren und weiter noch zum Westeinschnitt, der heute mit Wasser angefüllt ist.